GPS im Flugzeug nutzen: Was ist erlaubt & was funktioniert?

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2019

Vor allem im Urlaub sind Kartendienste wie Google Maps Freund und Helfer. Wahrscheinlich besitzt Dein Smartphone auch GPS und navigiert Dich hin und wieder zuverlässig ans Ziel. Doch kann man sich mit GPS auch im Flugzeug orten lassen? Und wenn ja, ist das überhaupt erlaubt?

GPS Geräte im Flugzeug sind erlaubt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die meisten Smartphones eine GPS-Funktion besitzen. Oft schalten Smartphones, die in den Flugmodus versetzt werden, die GPS-Funktion nicht einmal aus. Doch wer zuverlässig geortet werden will, sollte am Fenster sitzen.

Flugmodus bis Smartphone aus—das ist zugelassen

Jeder kennt die Durchsage: Alle Geräte bitte in den Flugmodus schalten.

Dabei sollte man das auch tun—denn in einigen Fällen konnten Smartphone-Signale mit den Kopfhörern im Cockpit interferieren. Heißt: In den Kopfhörern der Piloten entstehen unangenehme Störgeräusche. Ungefähr so, wie mit den Kopfhörern oder Lautsprechern zu Hause, wenn ein Anruf reinkommt.

Schaltet man sein Smartphone jedoch in den Flugmodus, bleibt die GPS-Funktion in der Regel eingeschaltet.

Dabei handelt es sich nicht um einen Fehler der Hersteller. Beim GPS entstehen lediglich keine Störsignale. Das liegt daran, dass es sich bei der GPS-Antenne in Endgeräten um reine Empfänger handelt. Es werden im Gegensatz zur Nutzung des Mobilfunknetzes keine Signale gesendet, sondern nur empfangen.

Somit ist die GPS-Nutzung in Flugzeugen grundsätzlich erlaubt.

Warum GPS in Flugzeugen oft nicht funktioniert

Man sitzt im Flugzeug, schaut aus dem Fenster und wundert sich, wo man gerade ist. Aus Gewohnheit öffnet man die nächstbeste Karten-App und hofft auf Antworten.

Manche haben es sicher schon probiert, aber bei vielen war das Ergebnis eher ernüchternd.

Theoretisch funktionieren Navigationsgeräte auch in großer Höhe. Geortet wirst Du dabei durch GPS-Satelliten, die sich in rund 20.200 km Höhe befinden (die Reiseflughöhe beträgt gerade mal 10 km).

Was das Smartphone daran hindert Dich zu orten, ist demnach nicht die Flughöhe. Es ist das Flugzeug selbst. Als zylindrischer Körper aus leitenden Aluminiumlegierungen wirkt das Flugzeug wie ein Faradayscher Käfig. Wer den Begriff schon mal gehört hat weiß: Das Flugzeug wirkt somit abschirmend.

Das mag zwar praktisch für den Schutz vor z.B. Blitzen sein, für einen guten GPS-Empfang sorgt das allerdings nicht.

Da die meisten Flugzeuge aus Aluminiumlegierungen bestehen, kann man höchstens nah am Fenster auf ausreichenden Satellitenempfang hoffen.

Die Flugzeuge der neusten Generation: CFK sorgt für besseren Empfang

Bei einigen Flugzeugen der neusten Generation hast Du auch in den mittleren Gängen GPS-Empfang. Das liegt vor allem daran, dass die Flugzeughersteller immer mehr auf CFK (kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff) anstelle von Aluminium setzen.

Zu den Flugzeugen, die durch einen hohen CFK-Anteil einen guten GPS-Empfang zulassen gehören z.B. Airbus A350 und Boeing 787.

Bei allen andern Passagiermaschinen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass nur ein Fensterplatz ausreicht. Wobei das auf gut alle Kurzstreckenmaschinen zutrifft.

Frau guckt aus dem Flugzeugfenster

Navi, Smartphone und Co.: So gibt es trotzdem Empfang

Fensterplatz gesichert? Dann kann das Orten losgehen. Je nach Endgerät kann es ausreichen, es ganz normal im Schoß zu halten—bei Geräten mit „schwacher“ Antenne kann es vorkommen, dass man es direkt ans Fenster halten muss.

Besonders hilfreich ist es, die Ortung bereits am Boden zu beginnen. Denn die erste Ortung ist die, die am längsten dauert. Sollte sich das Flugzeug dann schon mit über 800 km/h bewegen, fällt die Berechnung des Startpunktes unnötig schwer. Ein funktionierender Internetzugang, ob WLAN oder Mobilfunknetz, kann die Ortung weiter beschleunigen.

Vergesse jedoch nicht, Dein Handy bei Start und Landung in den Flugmodus zu versetzen. Das ist bei den meisten Airlines so vorgeschrieben und das Flugpersonal wird demnach auch darauf hinweisen. Sollte das GPS im Flugmodus ausgeschaltet werden, lässt es sich bei den meisten Smartphones problemlos wieder einschalten, ohne den Flugmodus zu verlassen.

Generell kann man mit Geräten, die speziell für die Navigation entwickelt wurden, bessere Resultate erzielen. Das liegt daran, dass Smartphone-Hersteller auf andere Schwerpunkte setzen, als auf die Ortung. Die GPS-Antenne in Handys ist deswegen im Vergleich zu anderen Geräten recht klein und oft von anderen Komponenten verdeckt.

So hat man besseren Empfang und eine genauere Position z.B. mit Navis, GPS-Trackern oder Sportuhren wie Garmin und Co.

Allerdings bleibt auch bei diesen Geräten das Prinzip dasselbe: Den besten Empfang gibt es nah am Fenster. Wobei es im Gegensatz zu Smartphones hier auch möglich ist, mitten im Flugzeug brauchbare Signale zu empfangen.

Welche Apps können GPS im Flugzeug verwenden?

Falls Du Dich mit dem Smartphone orten lassen willst, kannst Du jede beliebige Karten-App verwenden. Wichtig hierbei ist aber, dass die App Offline-Karten anbietet.

D.h. Du musst sicherstellen, dass Du vor Abflug die passende Karte heruntergeladen hast (es sei denn, Du hast während des gesamten Fluges WLAN). Mobile Daten gibt es auf Reiseflughöhe nämlich nicht. Diese werden im Gegensatz zu GPS-Daten nicht über Satelliten, sondern über Sendemasten gesendet, die sich 10 km unter Dir befinden.

Kostenlose Apps, die das anbieten, sind z.B. Google Maps, Osmand und MAPS.ME. Wobei Du für detailreiche Karten je nach Flugroute mehrere GB an Daten laden musst.

Google Maps

Google Maps ist ohne „große“ Downloads in der Regel nicht verwendbar. Die App benutzt Karten aus dem Zwischenspeicher. Insofern Du Dir vor Abflug mit Internetempfang nicht alle Orte in der App angeschaut hast, wird gar nichts oder nur eine sehr detailarme Karte angezeigt.

Wenn Du in Google Maps eine gute, nutzbare Karte haben willst, musst Du die gesamte Flugroute im Vorhinein herunterladen. Dies ist aber relativ umständlich, da Du die gesamte Route in Form von Quadraten einzeln abspeichern musst.

Osmand

Osmand hat unter allen Apps mit Offline-Karten die meisten Funktionen. Mit der App kannst Du eine 200 MB Weltkarte herunterladen, die viele Details bietet. So kannst Du mit nur wenig Speichernutzung Länder, Staaten, Großstädte und -straßen, Flüsse, Wälder und Berge sehen.

Osmand mit Basiskarte | Übersicht
Osmand mit Basiskarte (offline) | Übersicht
Osmand mit Basiskarte | Zoom
Osmand mit Basiskarte (offline) | Zoom

Zusätzlich kann die Route mit einem Plugin auch aufgenommen und exportiert werden (das muss in den App-Einstellungen aktiviert werden). Willst Du hier mehr Details haben, kannst Du die Länder, die Du brauchst, einzeln herunterladen (in der gratis Version können bis zu 7 Karten gleichzeitig heruntergeladen werden).

Der einzige Nachteil von Osmand ist eine gewisse Unübersichtlichkeit. Manche Funktionen lassen sich erst nach langem Suchen in den Einstellungen finden.

MAPS.ME

MAPS.ME ist im Gegensatz zu Osmand eine einfach zu bedienende App mit weniger Funktionen. Falls Du direkt losstarten willst, ohne durch irgendwelche Einstellungen zu blättern, ist MAPS.ME die beste Wahl. Eine Weltkarte ist hier schon automatisch installiert. Die App hat eine ähnliche Menge an Details wie Osmand, allerdings fehlen hier Landschaftsmarken wie Wälder, Flüsse und Berge.

MAPS.ME mit Basiskarte (offline) | Übersicht
MAPS.ME mit Basiskarte (offline) | Übersicht
MAPS.ME mit Basiskarte (offline) | Zoom
MAPS.ME mit Basiskarte (offline) | Zoom

Für mehr Details kann hier auch Land für Land heruntergeladen werden. Deine Route kannst Du mit dieser App für einige Stunden speichern, aber im Gegensatz zu Osmand nicht exportieren.

So verfolgst Du Deine Flugroute ohne GPS

Viele Flugzeuge (vor allem Langstreckenflugzeuge) machen das Nutzen von GPS überflüssig. Besitzt das Flugzeug einen Multimedia-Bildschirm, kannst Du generell davon ausgehen, dass dieser auch Deine aktuelle Position auf einer Landkarte anzeigen kann.

Multimedia im Flugzeugsitz

Hat das Flugzeug keine solche Funktion, dafür aber WLAN, kannst Du Deinen Flug live über Seiten wie Flightradar tracken. Momentan ist WLAN aber nur bei wenigen Airlines Standard. Dazu ist es nicht günstig. Für 200 MB Volumen zahlt man schnell mal 20 €.

Airlines mit WLAN sind z.B. Lufthansa und Eurowings. Kein WLAN hingegen haben z.B. easyJet und Ryanair.

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